„Doch ist es. Oder wieso bist du immer noch hier?“
„Dieselbe Frage hat der Fürst mir auch gestellt.“ Ein leises Schmunzeln.
„Und ihm bin ich die Antwort bis jetzt schuldig.“
Najisa nickte leicht.
„Du wirst sie schon finden. Irgendwann. Vielleicht ist heute schon ein großer Schritt getan worden.“
„Ich.. kenne die Antwort. Sie klingt nur so – schäbig.“
„Dann sag sie. Frei raus, niemand wird dich dafür verurteilen“
„Weil…“
Elyawyn betrachtete ihre Fingerspitzen. Noch immer dieselben. Auch wenn mehr Blut daran klebte heute. Verändert hatte sich nichts. Oder… vielleicht doch?
„…weil ich es satt habe, zu laufen.“
Kühl zog der Wind durch die Gräser, drang durch Umhang und Kleidung und hinterließ ein fremdartiges Frösteln auf der Haut. Den Blick auf das Moor gerichtet, die Siedlung und Straße hinter sich, die Knie angezogen und den Kopf darauf gelegt saß sie stumm da. Kein Ton drang über ihre Lippen, wusste sie nicht, was sagen – oder zu wem. Die Tage waren verwirrend gewesen, viel Blut war gelassen worden, eine neue Chance gegeben. Ohne, dass sie sie sich diese auch nur ansatzweise verdient hätte.
„…Lai?“
Lediglich ein weiterer Windhauch schnitt ihr ins Gesicht, bließ ihr die Kapuze vom Kopf und ließ dem Mondlicht freien Lauf. Seit Stunden erfüllte einsames Schweigen ihre Gedanken. Kein Ruf, keine Antwort, nicht einmal ein zorniges Fauchen. Nur – Stille.
„Ich.. würde dir viel eher vertrauen.“
„Gerade mir… kann man nicht trauen, Najisa. Nicht so.“
„Doch kann man.“ Sie lächelte. „Sonst hättest du nicht auch mir vertraut.“ Und das hatte sie, tat es noch immer.
„Das würdest du nicht sagen, wenn du gesehen hättest was-“
„Der Schatten ist nicht du. Er ist zwar ein Teil von dir, aber er ist nicht du.“
Dennoch wäre beinahe ein weiteres Leben erloschen durch ihr Handeln. Die Seele aus dem Leib geschrieen, gegen sich selbst gekämpft, beinahe verloren – und mit, wenn auch fragwürdiger, Hilfe schlussendlich gewonnen. Doch jetzt, mit der Aussicht, dass dies der letzte Kampf gewesen war, war sie sich nicht sicher, ob sie sich über ihren Sieg freuen konnte. Jahrelang war sie so durch die Täler und Hügel gezogen, verfolgt von einem Schatten in dem sie versunken war, es aber nicht gesehen hatte.
Liebe macht blind, so sagt man.
„Am Ende muß einer von euch siegen…“
„So.. meinst du.“
„Ja… Andernfalls schadet ihr euch weiter gegenseitig… Für immer…“
Vielleicht hatte er Recht gehabt, auch wenn sie nie den Schaden gesehen hatte. Nie war es nötig gewesen, an einem Ort länger zu verweilen als einen Tag, ein paar Stunden – nie war jemand anders da gewesen. Und doch, in all der Zeit hatte sie sich nicht einmal alleine gefühlt, war nie einsam gewesen. War das nun wirklich ein … Sieg? Diese verfluchte Stille, der kalte Wind?
„Wenn… Wenn ich das tue, weiß ich nich, was übrig bleibt.“
Erneut flog ihr Blick über die Moore. Die Feuer der Bilwisslager in weiter Ferne, das Geschrei der Kirper in den Ohren, herangetragen vom Wind. Hin und wieder brach ein Stern, der sich im Wasser spiegelte, das Bild von tristem Braun. Was übrig war? Namenloses Nichts, zwei blutbefleckte Hände die nicht wussten, was tun.
Langsam schloss sie die Augen, versuchte sich zu erinnern, wollte sich erinnern – zum ersten Mal seit langer Zeit.
„Einen Sohn will ich, was gibst du mir?! Zwei Weibsbilder!“ Haut schlug auf Haut, brannte, wurde rot. Keine Antwort.
„Schafft sie mir aus den Augen!“
Grobe Hände, die den einzig warmen Blick aus dem Zelt zerrten. Zum letzten Mal gesehen.
~~
„Hier!“
„Was ist das?“
„Ich schenk‘ es dir!“
Kinderhände die eine Kette aus Holzperlen in die Luft hielten, neugierig befingerten, ertasteten und schließlich ein Lächeln zauberten. Bis der neugierige Blick eine besondere, runde in der Mitte der kindlichen Kette erfasste. Rot. Erinnerungen wurden wach. Erinnerungen an einen warmen Blick, ein Paar grüne Augen, umrandet von feinen Zügen, dunklem Haar.
„Ist das…?“
„Mhm. Hab ich in seiner Truhe gefunden.
„Lai, das darfst du nicht! Und auch nicht herschenken!“ Der Versuch, das Geschenk zurückzugeben war erfolglos.
„Geschenkt ist geschenkt – zurückgenommen ist gestohlen. Behalt es. Ich hab‘ noch eine!“
Leise verhallten die Worte im Nirgendwo.
Ihre Finger fanden wie von selbst einen Weg in ihre Hosentasche, zogen zwei kleine Gegenstände heraus. Elya streckte die Hand vor sich aus, betrachtete selbige einige Momente. Das Rot war beinahe vollständig abgeblättert, von beiden Holzperlen. Die Haut schimmerte weiss im Mondlicht und ergab einen seltsamen Kontrast. Das lange Herumtragen hatte die einst runde Form abgeschliffen zu einem schiefem Oval, hatte Kerben in dem ehemals weichen Holz hinterlassen.
„Wenn ich das tue, weiß ich nich, was übrig bleibt.“
„Was immer es ist, Immertreu… Wir werden da sein, um es zu sammeln, aufzubauen. Euch zu helfen, in jeder Weise, die ihr erdenken könnt.“
Flinke Finger lösten eines der Lederbänder vom Handgelenk, zogen es durch die beiden einst roten Holzperlen und knoteten die neue Kette locker um den trockenen Hals. Ein chaotisches Bild, verglich man die filigranen Silberverzierungen des Fürsten an ihrem Kragen mit diesem jahrealten Kinderwerk auf der fahlen Haut. Langsam stand sie auf, ballte die Faust.
Najisas Worte, die Worte des Fürsten und selbst die wenigen Worte des Namenlosen füllten das Schweigen langsam, doch stet.
Zeit, zu sammeln.
*weint leise*
Ich glaube da braucht jemand hilfe… ganz dringend 🙂
ooc: Liebe macht blind? Hilfeee, ich verstehe für meinen Teil nur ein Bruchstück von dem, aber Ely, wie immer hast du es zauberhaft verfasst. Ein Genuss zu lesen! *verbeugt sich tief*
Dankö dankö – ahrm.. Lynne? Das ist in Bezug auf ihre Schwester – die ja.. ahrm.. nicht mehr unter den Lebenden weilt aber dank Elya ja doch irgendwie. Und doch nicht. Manchmal verwirrt mich mein eigener Char. *grins*
Methinks I see a glimmer of hope on the horizon… 😀
oooh, das ist wirklich schön geschrieben. ich seh zwar nicht überall durch, aber trotzdem. schöööön
*freudig noch mal les*
Ja, sehr schön geschrieben! *applaudiert* Auch wenn die Zahl derer, die zeitweise ein zweites Ich in ihrem Char bergen, offenbar stetig wächst. Minas Verrückt sozusagen. Als Fürst würde mir das zu denken geben… ;-P
Naja… die meisten davon sind ja mitlerweile „geheilt“ ^^
Joar.. neben Rodgar fiele mir da jetzt keiner an – und Hoital ist ja schon äh.. abgespalten? Marathil hat sich wieder gefangen bzw. Jaikohr sich nen neuen ausgesucht und… wer bleibt sonst noch? Mynerya, joa, aber ich glaub sie is nich.. „böse“, oder? *blinzel*
Und Lai ist kein eigenständig denkendes Wesen – ich glaube man kann sie sich in etwa so vorstellen wie ein unsichtbarer bester Freund (~schwester), der irgendwie zu stark wurde.
Elmion ist auch geheilt, mir fällt spontan nur noch elya und myn ein ^^
Sie hat nicht ganz Unrecht. Ich fasse mal für die Statistik zusammen:
– Rodgar
– Marathil
– Elmion
– Elyawyn
– Antain, so mehr oder minder
– Mynerya
Naja
– Rodgar : geheilt (Hoital einzelperson)
– Marathil : geheilt (Jaikohr hat wen neuen)
– Elmion : geheilt
– Elyawyn : verwirrt
– Antain : Ist und bleibt Antain *flausch*
– Mynerya : Muss dringend mal durchdrehen und alles kurz und klein kloppen 😀