Wohin die Wege führen

Immerschatten
20. Juli 2008 • Kommentare: 2

„Das.. kannst du nicht von mir verlangen.“
„Du wolltest keine Ketten.“
„Ich weiß, aber-“
„Schweig. Lass uns gehen.“

„Es war mein Fehler, Lai.“
„Du willst für ein fremdes Land, für dir Fremde, sterben?“
„N-nein, aber-“
„Lass uns gehen.“
„…wohin?“ Für einen kurzen Augenblick lang fiel ihr ein Ziel ein. Einen Herzschlag lang, ehe der Gedanke weiterzog und eine Stille hinterließ, als sei er nie dagewesen.

„Es ist egal. Wir finden immer einen Weg. Das weißt du.“

Erelya sah sich um. Die Sippenhallen leer und verlassen, wie oft des Nachts. Leise knackten die letzten Holzscheite im Kamin als das Feuer sie durchstach, entlang züngelte und sie verbrannte, bis nur noch Asche war. Wärme.
Einen Herzschlag lang stand sie regungslos da, sah auf die gedeckte Tafel in der Mitte der Halle. Der Milchkrug. Der Topf mit Honig. Der frische Käse – und die Äpfel. Ein leises Schmunzeln stahl sich auf ihre Lippen, ehe sie schließlich den Beutel an ihrem Gürtel losband und Honig zu Honig legte. Den Becher ließ sie unangetastet, ebenso den Krug, den sie die letzten Monate so oft in den Händen gehalten hatte.
Laiwyn hatte Recht. Es war Zeit, Ketten zu sprengen.

„…Lai?“
„Was ist?“
„…wenn…“ Erneut flog ihr Blick über die vielen Trophäen von getöteten Tieren, die sie nicht kannte – die sie jedoch alle noch kennenlernen wollte. Auf eigenen Beinen erkunden, mit eigenen Augen sehen.
„Wenn wir jetzt gehen, dann…“
„Was willst du?“ Sie wurde wieder ungeduldig.
„…wenn… wir jetzt gehen, ist die nächste Entscheidung meine. Ganz alleine.“
„Ist das alles, was du willst?“
„Ja. Das ist es.“
Beinahe beiläufig drehte Erelya den Milchkrug in die richtige Position. Henkel zur Kerze hin, so hatte er immer dagestanden. Ihr Blick flog erneut durch die Hallen. Die wenigen Schritte zum letzten erleuchteten Kerzenständer waren schnell gemacht, ebenso schnell waren alle Kerzen erloschen. Einzig der Kamin auf dem Podium schien durch die Halle, hüllte alles in ein ruhiges, warmes Licht.

„Nun gut. Abgemacht.“

Kühle Nachtluft und der Geruch nach Regen schlugen ihr entgegen, kaum dass sie das Haus hinter sich gelassen hatte. Ein letzter Blick zum Wasserfall, zum Podium. Wieder ein Lächeln, ehe sie sich abwandte, ihren treuen Begleiter vom Holzbalken losband und ihr die Flanke streichte.
„Wir haben viel zu tun, Nihal. Es gibt noch so vieles zu sehen.“
Wie zur Bestätigung hatte sie wieder ein paar feuchte Nüstern im Gesicht, ehe ein kräftiges Schnauben ihr die Haare von der Stirn pustete. Elya grinste schief, schwang sich leichtfüßig in den Sattel, griff die Zügel, atmete ein letztes mal tief durch und ließ die Siedlung hinter sich.

Einige Meilen westwärts kamen sie beide erst zum stehen. Es hatte zu regnen begonnen, Umhang, Schal und Hemd waren so gut wie durchnässt. Die Kälte, nein, sie spürte sie nicht. Der Gedanke an eine neue Wärme hatte sie vertrieben, wenn auch nur für den Augenblick.
Elya glitt aus dem Sattel, ging ein paar Schritte. Wartend blieb ihre Stute zurück, sah ihr nach. Treues Tier.
Der Blick flog nach oben in den wolkenbehangenen Himmel, die Sterne waren nicht zu sehen. Die ersten Regentropfen im Gesicht fühlten sich anderst an als sie das bisher getan hatten. Klarer.
Wie von selbst öffnete sie ihre Hand, reckte sie dem Himmel entgegen, fing einige Tropfen im schwarzen Leder ihrer abgewetzten Handschuhe, zog die Hand wieder zurück und betrachtete selbige einige Momente lang.
Die Hand drehte sich, die Tropfen flossen hinab, hinterließen eine Spur die bald, sobald der Regen vorbei sein würde, vergehen würde, als seien sie nie dagewesen. Das Wasser selbst würde seinen Weg finden, unter den Gräsern, tief unter der Erde, verborgen vor allen Blicken.
Wie alles andere auch.
Alles nahm seine Wege.
Es war Zeit, den eigenen zu finden.

.go ely, go ely :D .
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Und hier zum kleinen ooc Teil:
Um die Sache zu einem runden, wenn auch etwas holprigen, Abgang zu bringen, hier der letzte Eintrag von mir im Minas Faer Blog. An dieser Stelle möchte ich mich bei euch bedanken für viele schöne Stunden, sehr viel schönes RP und vorallem – viel Nachdenk-Rp ( 😉 ). Egal welches Ende das ganze nun genommen hat, ihr seid und bleibt ein klasse Haufen und genau so werde ich (wie auch mein alter Ego Elya) die Zeit bei euch in Erinnerung behalten. Die Stunden des Starrens und des Milchschlürfens haben mir so manchen Abend versüßt, ebenso die Stunden im TS und Sippenchat. Sollte mich jemals jemand nach dem Fürstenhause Minas Faer fragen, so werde ich nur Gutes zu berichten wissen. Ich möchte, dass ihr das wisst.
Ich wünsche euch ausnahmslos weiterhin eine schöne Zeit in Minas Faer, in Mittelerde und in LotRo, habt Spaß – und trinkt was für mich mit.
In diesem Sinne – Mehr Freiheit für Döner!
~ Elya ~ (<- ich steh auf diese Tilde! 😀 )

P.S.: Mein Beitrag zum Bienchen-Blümchen Wettbewerb – das ist er.

  1. Alejandro Salas sagt:

    *Ely drück* Du wirst uns ordentlich fehlen, Frau Dönertier… Mir jedenfalls jetzt schon die ganze Zeit…

    Minas Faer hält die Treue. Auch, wenn sie weg ist. Wenn was ist, der Eid bindet nach wie vor.

    *flausch und Eintrag verlinken geh*

  2. Lintflas sagt:

    Ja schade 🙁 Irgendwie fehlt was seit unser Sonnenschein weg ist. Aber für mich gehörst Du immer noch dazu!

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