Als Zarroc an diesem Abend mal wieder das Gelehrtenarchiv aufsuchen wollte passte Ihn ein Mann an dessen Eingang ab. Wortlos reichte dieser Zarroc einen Schriftbehälter und verschwand dann ebenso Wortkarg. Nach kurzem Zögern öffnete er diesen und eine Schriftrolle kam zum Vorschein welche folgenden Inhalt hat:
An Zarroc Angor dem Angmarversehrten
Zarroc, einige Zeit ist seid dem Tage vergangen an welchem wir Euch das Leben wiedergaben. Wir alle hofften, dass nie der Tag kommen würde an dem wir Eure Schuld einfordern müssen. Dieser Tag ist jedoch nun gekommen.
Als wir Euch dem Tode entrissen haben, leistete Ihr einen Schwur. Ihr werdet Euch sicherlich an den Wortlaut erinnern. Ihr habt uns geschworen, sollten wir einmal Eure Hilfe benötigen, so werdet Ihr unserem Ruf für einen Mond pro Narbe folgen, und Ihr würdet ohne jegliche Zeit zu verlieren aufbrechen und zu uns kommen.
Wir fordern nun Eure Schuld ein. Begebt Euch so schnell es möglich ist nach Angmar und trefft uns an jenem Ort an dem wir Euch vor dem gewissen Dahin scheiden bewahrten. Sprich mit niemanden über Dein Ziel, denn es könnte unser Ende bedeuten.
Der Rat des Nordens
Zarrocs Miene erstarrte völlig. Nach einiger Zeit schloss er die Augen und richtete sein Gesicht gen Himmel. Lautlos formten seine Lippen unbekannte Worte. Nach einem tiefen Seufzer rannte er zum Bankhaus in Bree hob seine Gesamten Ersparnisse ab und setzte einen Brief auf.
An Sir Giselher Aldorn, Ritter und Seneschal des Hauses Minas Faer und Ost-Agar
Giselher,
Du, Tharlegond und der Fürst lehrten mich die Kardinalstugenden. Ihr versuchtet mich zulehren welche Bedeutung das Wort „Ehre“ hat und wie ein Tugendhafter Mann seine Eide hält. Ihr habt versucht aus mir einen besseren Menschen zumachen. Doch heute ist ein Tag an dem ich nur scheitern kann. Entscheide ich mich für den ersten Weg, so werden viele Menschen leiden oder sogar sterben und ich würde einen Hilferuf der Schwachen ignorieren somit mich also nicht an die Kardinalstugenden halten. Wähle ich den zweiten Weg, so würde ich bei meiner Aufgabe scheitern und in Ungnade fallen. Ich würde eine Heimat verlieren so wie den einzigen Freund den ich habe. Ich würde all jene enttäuschen die so sehr an mich glaubten und soviel Kraft,Blut und Schweiß für mich opferten. Ich lasse Kameraden im Stich und einen Fürsten welchem ich die Treue bis in den Tod schwor.
Dennoch wähle ich den ersten Weg. Ich will das vollbringen was ich in meinem Leben niemals fertig brachte. Ich will den Schwachen helfen, Leben retten! Sollte ich dies überleben so werde ich demütigst zurückkehren und jedes Urteil, und sei es auch mein Tod oder schlimmeres mit Freuden hinnehmen.
Blut für Blut sind die Worte des Fürsten und Blut für Blut haben wir geschworen. Dadurch weiß ich das mein Fehl, Dein Blut kosten wird. Das Blut eines Mannes der nun endlich seinen Platz gefunden zu haben scheint. Das Blut eines Mannes der frohen Mutes und glücklich in eine Zukunft blickt weil er nun ein Weib gefunden hat das er liebt und welches Ihn liebt. Das Blut eines Mannes der an mich glaubte und mein Freund ist. All das setze ich aufs Spiel nur um fremde einfache Menschen zu retten.
Wiegt das Blut eines Mannes das Blut vieler auf? Ich werde diese Frage nie beantworten können.
So knie ich nieder vor dem Fürsten welcher mir soviele Möglichkeiten gab mich zu ändern.
So knie ich nieder vor der Fürstin welche so sehr Nachsicht ob meines rüpelhaften Verhaltens walten lies.
So knie ich nieder vor meinen Kameraden welche mir zeigten was wahre Kameradschaft ist.
So knie ich nieder vor dem gesamten Haushalt welcher mich nicht nur duldete sondern auch akzeptierte.
So knie ich nieder vor Bryanne deren berechtigter Hass mich bis ans Ende aller Tage verfolgen soll weil ich Ihrem geliebten enttäuschte und sein Leben in Gefahr bringe.
So knie ich nieder vor meinem Herren, meinem Mentor, meinem Freund vor Dir.
Auf dass mir die Möglichkeit geben sei, Euren Schmerz und Eure Enttäuschung selbst zutragen und bis ans Ende aller Tage verkünden zu können:
„Seht mich an! Ich bin jener der Enttäuschung bringt. Ich bin jener der den Schmerz verteilt. Ich bin jener der das Glück entzweit. Ich bin jener der geboren wurde um zu fehlen!“
Zarroc Angor