Zuckerbrot und Katzenkrallen

Cenedor Faeryllian
18. Mai 2010 • Kommentare: 3

Der dumpfe Schein des Kaminfeuers warf den Raum in ein mehr als nur trübes Licht. Obwohl es bereits Nacht war, schien der Korporal nicht zum Schlafen aufgelegt zu sein, denn, noch in seiner Uniform steckend, ging er zu einem der Regal und holte aus einem Lederbeutel an seinem Gürtel ein kleinen Schlüssel hervor. Mit einem leisen Klicken öffnete sich das einzige Fach des Regals, welches abgeschlossen war. In ihm waren vier mit Leder eingeschlagene Bücher. Er griff nach dem letzten der Vier und setzte sich an den Kamin, das Tintenfäßchen öffnend. Gemächlich tunkte er die Schreibfeder in die Tinte und schlug das Buch auf. Für einen Moment schwebte der Federkiel ruhig über die noch unbeschriebene Seite ehe der Korporal ansetzte..

Dies sind die Aufzeichnungen Cenedor’s, Marik’s Sohn.

Wir schreiben den 18. Mai im Jahre Denethor’s, Ecthelions’ Sohn. Ich bin nun schon seit einigen Wochen im Breeland und langsam kehrt die Routine in den Tag ein. Man steht auf, geht zu seinem Wachdienst, verrichtet ihn schweigend und befolgt Befehle. Man kommt aus dem Wachdienst, verrichtet seine Übungen mit der Klinge damit man nicht abstumpft und geht danach noch etwas Trinken in Bree. Dieser Alltag, diese Routine.. sie hat sich ganz von selbst zum normalen Ablauf erklärt. Das ist schlecht. Routine ist schlecht. Etwas fehlt, was ich noch nicht genauer erklären kann. Aber etwas fehlt.

Cenedor tunkte den Federkiel in das Fäßchen und hielt inne. Sein Blick schweifte durch den Raum und blieb an seinem Bett hängen. Es war noch aufgewühlt aber inzwischen sicher kalt. Wenn er zurück dachte, fragte er sich im Stillen, ob es eigentlich Sinn gemacht hat, was er getan hatte. Einerseits bejate er das, andererseits – wer war er sich einzumischen? Er war Eidmann und Soldat, kein Weiser…

In den letzten beiden Malen, wo ich das Pony in Bree aufsuchte in meiner dienstfreien Zeit, lief mir eine Katze zu. Oder ich ihr? Ja, das klingt wahrscheinlicher. Der Leutnant würde mich dafür wohl schelten und mich daran erinnern, dass ich zwar die Katzen lieben aber sie mich nicht. Er würde mich an das eine Mal erinnern, als Kendric eine Katze auflas und ich ihr Milch geben wollte. Den Biss spüre ich heute noch ab und an.. oder bilde es mir zumindest ein. Oder das andere Mal, als eine Katze in mein Zelt schlich und mein Gesicht mit ihren Krallen verschönerte. Es wundert mich bis heute, dass keine Narben blieben. Jedenfalls bettelte jene Katze um etwas zu Trinken und schien es für einen persönlichen Triumph zu halten, als ich ihr etwas brachte. Nichts desto trotz hatte ich ab und an das Gefühl, dass auch sie ihre Krallen ausfuhr. Der Leutnant muss wirklich Recht haben.

Fast so, als würde er die alten ‚Wunden‘ dieser doch sehr Krallen belasteten Begegnungen spüren, rieb er zuerst über den rechten Handrücken und fuhr sich dann durch das Gesicht. Bisher war es ihm vergönnt gewesen den Grund zu erfahren, warum jene Tiere von ihm anscheinend nur das Blut wollten. Es war ein leidiges Thema, dass ihm schon viel Gelächter unter seinen Kameraden eingebracht hatte..

Als ich jener Katze am gestrigen Tag wieder über den Weg lief, schien sie abgemagert, wirkte beinahe kränklich. Sie wollte weder essen, noch trinken. Überhaupt konnte sie sich nur mit Müh‘ und Not Aufrecht halten, weshalb es mich auch wunderte, dass sie auf dem Weg in die Siedlung nicht in den Graben gefallen ist. Aber vielleicht wollte sie sich auch einfach nicht die Blöße geben und hat ihre letzten Reserven aufgeopfert. Ha, selbst füttern musste ich die Katze, denn wollte strikt nichts zu sich nehmen. Wahrscheinlich habe ich keine neuen Biss- oder Krallenspuren auf mir, da sie zu schwach war für derartige Manöver. Und doch schien es nach etwas nahrhaftem Brot ihr etwas besser zu gehen, wenn auch nicht wirklich lang. Das Brot landete, nur etwas durchgekauter, nach einer Weile im Gras an der Hausecke. Nachdem sie sich etwas erholt hatte ließ sie mich dieses Mal ihre Krallen zumindest ansatzweise spüren und zeigte mir die kalte Schulter. Dennoch blieb sie. Zumindest für einen Teil der Nacht. Aber so launisch wie Katzen nunmal sind, verschwand sie ohne große Worte. Wer weiß, was das noch geben wird.

Blut für Blut.

  1. Cinlir Winthallan sagt:

    Aha! Durchschaut! *fuchtel* *Schlappohr kraul*

  2. Ardeyn sagt:

    *gekrault werd und … fieps?*

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