Before me floats an image, man or shade,
Shade more than man, more image than a shade;
For Hades‘ bobbin bound in mummy-cloth
May unwind the winding path;
A mouth that has no moisture and no breath
Breathless mouths may summon;
I hail the superhuman;
I call it death-in-life and life-in-death.
– Byzantium, W. B. Yeats
Eine alte Frage der Philisophen ist es, welche Rolle wir im Leben spielen. Und welche wir für die Welt, in der wir leben haben. Welchen Eindruck ein Mensch hinterlässt. Man spricht von den Seiten in Geschichtsbüchern. Von Fußspuren im Sand. Oder von den Schatten, die wir werfen. Und dann sind dann noch die Schatten aller, die vor uns kamen. Deren Geschichte wir zu füllen haben. Sie besser zu machen. Lernen. Aber irgendwann wird niemand mehr diese Fußstapfen füllen können, wenn die Erwartungen mit unseren Blutlinien wachsen. Erwarte bereits ich schon zu viel von meinem Sohn? Auf all diese Fragen wird nichtmal mein Berater eine Antwort wissen. Und wenn es anders wäre, würde ich sie nicht wollen.
Aus dem Tagebuch Alejandro Salas‘ ist leicht zu entnehmen, dass er eine Art Herzensbrecher war. Um so ironischer festzustellen, dass auch ich mir diesen Vorwurf machen lassen muss. Nur sind es nicht die Herzen anderer, die meinetwegen brechen, weil sie mich nicht haben können. Es sind die Herzen anderer die brechen, weil sie nicht haben können was sie begehren – durch meinen Befehl. Narr der ich bin habe ich gehofft. Gewartet. Weggesehen. Ein schneller Bruch wäre besser gewesen. Instinkt und Regeln vertrauen, statt einer wahnsinnigen Hoffnung. Aber das habe ich nicht. So sind die geschlagenen Wunden größer, als sie es hätten sein müssen. Ich war zu blind es zu sehen. Abermals. Bleibt nur den klaren, deutlichen Weg zu gehen, den ich zu lange vernachlässigt habe. Kein Haus steht gut auf weichem Grund. Die Mauern würden instabil, hielten keinem Sturm stand.
Was ich mit Liebenden tun muss, das wohl auch mit Familien. Zweigeteilte Loyalitäten sind nicht gut. Sie wird das einsehen. Einsehen müssen. Wenn nicht… Wenn nicht, weiß ich auch nicht, was dann zu tun ist. Aber merken sollte sie das besser nicht. Und schon gar nicht dieser elende Dickschädel von Vater. Sie hat gehört, was sie hören musste. Jetzt braucht es Geduld. Die Valar sind gnädig. Vielleicht zeigen sie mir bis dahin einen Weg. Ich werde mit Giselher abermals darüber sprechen müssen.
Andererseits führt dieses Haus auch Familien zusammen. Ich habe gesehen, wie hier die Blicke brachen, als man davon hörte, dass Merouns Klingen aufgerieben wurden. Nur noch verstreut gibt es einzelne von ihnen. Eine weitere Klinge hat es nun also hierher geschafft. Damit stehen Dankmar Meroun und seine Schwester Britha nunmehr in meinen Diensten. Hinzu kommt Bryanne, wenn auch nunmehr Aldorn. Und mehr oder minder Drakon Meroun, der derzeit als Verwalter für Giselher nach Gondor gereist ist. Zwar leistete er nie einen Eid, jedoch weiß ich um die starke Bindung zwischen ihm und Giselher. Wieso sonst hätte mein Bruder sonst auch diesem Mann all das seine anvertrauen sollen? Für seine Frau jedenfalls wird es gut sein, dass ihre Schwester hier nun ankam. Ein Stück Stabilität. Ein Stück Geborgenheit wohl.
Für mich gibt es derzeit ebenfalls eine lang nicht gekannte Form von Stabilität. Besser, die Erinnerung an andere Zeiten. Celvyn Nordfalk, Graf zu Minas Sirion, ist derzeit auf Geheiß des Truchsess hier im Breeland. Natürlich bot ich ihm Unterkunft für die Dauer seines Aufenthalts. Zwar traue ich seinen Motiven nicht über den Weg, denn er ist wohl das, was man als Geldadel bezeichnen kann, jedoch tut es seltsam gut an die alten Formen erinnert zu werden. Eine Tendenz, die durch die fortwährende Anwesenheit von Fürstin Linbeth nur verstärkt wird. Noch keine Kriegserklärung von einem der beiden auf dem Tisch zu haben bedeutet wohl, dass ich noch nicht völlig eingerostet bin, auch wenn dieses Parkett eigentlich mehr für Sybell geschaffen ist denn für mich. Nordfalk selbst treibt zweifelsfrei seine eigene Agenda voran. Allein seine Bitte könnte man ihm als genau das auslegen, was er einem anderen Baron vorwirft. Der Krieg dauert noch an, dennoch balgt man sich schon um das, was von unserer Heimat wohl übrig bleiben wird. Gierige Wölfe. Aber was kümmert das Löwen.
Vor kurzem war ich noch erstaunt überhaupt einen Elben in meinen Reihen zu wissen. Und nun könnten es bald drei sein. Gwaethil befasste sich mit der Prüfung der beiden Schwestern und scheint zufrieden. Zwar vergisst er nicht zu erwähnen, dass beide wohl jünger sind als er, dennoch weiß ich sehr wohl welchen Effekt ihre bloße Anwesenheit in der Heimat am Hofe haben wird. Elben, die sich in die Dienste eines Menschen stellen? Was für eine Art Mensch muss das sein. Eine Frage, der ich nicht ewig ausweichen können werde. Es gelingt bereits jetzt nur noch schwerlich.
Eigentlich sollte ich vom Treffen schreiben. Wenn das alles nur so leicht zusammenzufassen wäre! Durch die Verwicklungen um Rian und den Korporal hielt ich es für nötig die Wort des Hauses erneut zu erklären. Zu verdeutlichen, was genau sie meinen. Einfach nur für ein Land oder einen Namen sterben? Wohl kaum. Sie stehen für Zusammenhalt. Einer, wie der andere. Jeder an seinem Platz. Ob es verstanden wurde, weiß ich nicht… Denn ich habe das Gefühl, dass man sogar – oder gerade – vor mir Angst hat. Ich, der ich sie alle zusammen halten sollte. Wie eine Figur, die man nicht berühren kann. Und damit kalt wie der Marmor, aus dem sie geschlagen würde. In Anlehnung an eine Methode, die Salas anwandte, bot ich also jedem die Möglichkeit auf eine Frage an ihren Herrn. In der Hoffnung man würde diese Öffnung, diese Offenbarung einer möglichen Schwachstelle als das erkennen, was es ist. Aber auch das ist schwer zu sagen und kann wohl frühestens in Monaten beurteilt werden. Geduld also. Elende, langgezogene Geduld.
Mit Cutting und Moury hatte ich fast nicht gerechnet. Es war gut sie zu sehen. Sogar sie zu hören. Eigentlich hätte ich sie wohl zur Ruhe auffordern müssen. Aber die Art der beiden ist… lebendig. Sie zwingt einen anderen Blickwinkel auf. Lässt für einen Moment vergessen, worum es in der Welt geht. Eine Freiheit, um die man die beiden wohl beneiden sollte. Aber dennoch… Moury hat sicherlich manchmal an Bord ihres Schiffes ähnliche Sorgen wie ich sie hier habe. Und Cutting? Ich vergesse immernoch nicht, wie sie auch reden kann, wenn sie es wünscht. Nach wie vor frage ich mich woher. Und egal welche der beiden ich sehe, ich denke an die Flasche, die oben in meiner Schublade liegt. Die Flasche, die sich bedenklich ihrem Ende nähert. Ich werde sie um Nachschub bitten. Bitten! Außerdem bin ich gespannt, ob sie das Angebot annehmen werden. Wenn ja, welche Fragen werden zwei Frauen der See für einen Mann, der mit der See so gar nichts anfangen kann haben? Welche Fragen hätte ich wohl an sie…
Zum ersten Mal stellte ich Elmion gestern also als Elmion Valdoran, Graf von Thamaran vor. Verwunderlich, dass Edisa nicht mit ihm kam. Ebenso verwunderlich, dass er von der Gelegenheit der Frage nicht Gebrauch machte. Er erschien in seiner neuen Rüstung. So zwischen den Stühlen, zwischen den Ständen hat er keinen leichten Stand. Giselher hatte einen Gedanken, was das angeht. Aber nein, noch traue ich dem Braten längst nicht über den Weg. Er wird an seiner Aufgabe wachsen müssen. Noch sind seine Schritte ungeübt, fast wie die eines Kindes. Nur welche Art Mann so aus ihm wird ist schwer zu sagen.
Sveawyn war ebenfalls zugegen. Wenig überraschend, immerhin sah ich sie bereits vorher auf dem Anwesen. Das Thema über das wir sprachen wird ihr nicht gefallen haben. Was schreibe ich. Ich weiß, dass es das nicht hat. Natürlich nicht! Das ganze Treffen über sprach sie nicht ein Wort. Ob sie die Geduld hat, die ich ihr abverlange? Sie muss. Und ich bete sie kann. Nur ein wenig, Mädchen. Stark ist sie, sonst hätte sie nicht verkraftet was ihr Finariaen antat. Nur… Das ist noch nicht lange her. Ich fürchte, dass sie brechen könnte, ähnlich wie Fianah. Auch, wenn sie nicht die gleichen Strafen zu fürchten hätte wie das Mädchen. Die gewohnten Strukturen sind ihr dennoch ähnlich fremd wie eben dieser Fianah. Und wie sie finden wohl auch Sveawyn ihren Trost bei den Tieren im Stall.
Ähnlich wie Valdoran sitzt wohl auch Elteror zwischen den Stühlen. Gardist und Leutnant auf der einen Seite, Freiherr auf der anderen – und obendrein auch noch verliebt. Von ihm hörte ich das ganze Treffen lang etwa so viel wie von Sveawyn. Danach sah ich ihn nicht mehr, wie das Mädchen auch. Beide hatten bisher keine Frage. Bei ihr wäre es wichtig gewesen, zweifelsfrei. Ebenso zweifelsfrei allerdings bei ihm. Er ist sehr gut darin sich abzuschotten. Freunde? Hat er die hier überhaupt? Giselher kommt sicher mit ihm klar. Aber was tut der Mann in seiner Freizeit? Am Ende lasse ich der Baroness gerade eine andere Art Sonderling angedeihen, genau wie ihr erster Mann es war. Tharlegond ist ein verdienter Soldat. Aber der Mann dahinter ist immernoch einsam, obwohl er nun schon so lange hier ist.
Rian nutzte die Gelegenheit ebenso wenig. Ich nehme an, er ging sobald er konnte. Es muss schwer sein in die Gesichter der anderen zu sehen. Er glaubt immernoch, jeder sieht in ihm den Verräter. Dennoch gibt er für sie die erste Frau auf, die er liebte. Für all die anklagenden Gesichter, für meinen Namen – und für einen Toten. Er hätte die Wahl zu gehen, denn ich ließ sie ihm. Aber er bleibt. Nach wie vor bleibt er. Was treibt ihn? Was treibt ihn wirklich an? Worauf hofft er?
Einen interessanten Zwischenweg wählte Faeryllian. Er betrat zwar den Raum, so wie alle anderen auch, jedoch sagte er, als ich fragte was er fragen wolle, dass er keine Frage habe. Weil er auf meine Entscheidungen vertraue. Entsprechend befolgt er sie und jeden Befehl, uneingeschränkt. Ich wage nicht zu erahnen was in ihm vorgegangen sein muss, als er sich plötzlich vorwerfen lassen musste, er habe eine Frau praktisch vergewaltigt. Hat er das, weil er ihr ein Bier ausgab? Oder weil er versuchte zu helfen? Mein Bruder hätte mir sicherlich keinen Schänder geschickt, auch wenn er mitunter sehr stur sein kann. Das weiß ich. Eine Schwäche, die man kennt, kann berechnet und angewandt werden – und umgangen. Natürlich ist Faeryllian kein Heiliger. Ich heiße nicht gut, dass er den Schreiber forderte, auch wenn ich verstehen kann, dass er es tat, aus seiner Sicht. Er mag also viele Dinge sein… Aber kein Mann, der es nötig hat sich einer Frau aufzudrängen. Es wundert mich, dass andere das glauben konnten.
Der erste, der eine Frage zu stellen hatte, war Heridan Flusswieser. Er erklärte selbst, dass es weniger aus Neugier oder einem Bedürfnis etwas bestimmtes zu erfahren geschah, sondern vielmehr um ein gutes Beispiel zu geben. Der Wissenschaftler. Ausgerechnet er denkt an sowas. Erstaunlich. Wichtiger ist aber seine Erfindung… Wenn stimmt, was er sagt, könnte er Geschichte damit schreiben. In jedem Fall würde Sybell wesentlich ruhiger schlafen. Ich selbst ebenfalls. Und seine Frage? Er erkundigte sich, ob mir die Umstellung von Gondor zum Breeland leicht gefallen sei. Eine Antwort, über die ich wenig nachdenken musste. Natürlich fiel es mir schwer! Leicht?! Wie soll etwas leicht sein, wenn man weiß, dass man dort, wo man ankommt, nicht gern gesehen ist. Wenn man überhaupt gar nicht erst los reisen will. Ungleiche Größen, die einander angepasst werden mussten. Ich glaube nicht, dass ihn die Antwort wirklich überrascht hat.
Wo der eine mich dadurch überrascht den Anfang zu machen, überrascht mich der andere durch die Frage an sich. Gwaethil Eglainion. Immer, wenn ich glaube ich habe ihn verstanden, tut er irgendwas. Irgendetwas, womit ich schlicht nicht gerechnet habe. Seine Frage war, von welcher Frage ich mir wünschen würde, dass man sie man mir dereinst stellt. Und dann musste ich nachdenken. Wohl eine Frage, wie die seine. Eine, mit der man nicht rechnet. Eine, deren Antwort man erst kennt, wenn man die Frage gestellt bekommt. Eigentlich hätte es mich also nicht überraschen dürfen, dass er mir etwas derartiges bietet. Elben! Elben… Von ihnen wird er mir wohl am meisten in Erinnerung bleiben, wenn ich irgendwann alt und gebrechlich zuhause in einem Sessel sitze und an bessere Zeiten denke.
Das bringt mich dann also zu Bryannes Frage. Sie fragte, wo ich jetzt gerne sein würde und als was, wenn ich nicht Fürst wäre und es nichts gäbe, das mich bindet. Damit also der Bogen zu dem vorigen Gedanken: Zuhause, in Ost Agar. In einem Sessel vor einem Kamin. Mit den Hunden, der Familie und den Freunden. Einem Glas guten Weines. Interessanter als die Frage an sich waren allerdings ihre Augen. Sie vermisst die Heimat wohl ebenso sehr wie ich selbst. Die Ruhe, die ich vermisse, fehlt auch ihr. Mir fallen tausende Möglichkeiten ein mit der man mir diese Antwort hätte im Mund umdrehen können. Und obwohl sie manchmal sehr darauf aus ist zu zeigen, dass sie nicht dumm ist, dass sie sich traut Widerworte zu geben – gestern war sie einfach nur verstehend. Giselher wird hoffentlich wissen was er an ihr hat, in jeder Hinsicht.
Ihr Mann wiederum war ganz auf Salas‘ Spuren. Aber keineswegs dumm. Warum ich diese Fragesache ausgerechnet jetzt machen würde… Ja. Warum eigentlich. Offenheit. Die Deckung aufgeben. Angriffsfläche bieten. Zu zeigen, dass auch ich es nicht fürchte mich den anderen zu stellen. Er selbst wird das nicht tun müssen. Giselher genießt hohes Ansehen und Respekt in diesem Haus – und darüber hinaus. Ich glaube oft, er unterschätzt sich und seinen Namen maßlos. Inzwischen hat er sehr gut raus, wann er zu nicken hat und wann es gilt zu widersprechen. Und wieder denke ich an Izhkarioth und das ewige Bild der Hunde. Würde es zutreffen, wäre Giselher wohl der beste Hund, den man sich wünschen kann. Nur verstehe ich nicht, warum es zwangsläufig eine Beleidigung ein muss Hund zu sein. Denn jeder hier ist Hund seines Herrn. Auch ich habe einen. Und auch ich achte nicht jede Entscheidung. Zu befolgen habe ich sie dennoch. Aber, je länger ich Giselher beobachte, desto deutlicher wird, dass er der bessere Hund von uns beiden wäre. Er ist williger zu gehorchen als ich es bin. Dankbarer als ich. Und das auf eine so geschickte Weise, dass ihm sein Charakter dabei nicht verloren geht. Niemals seine Ideale und sein Glaube an die Menschen…
Die Frage der Elbe, die Gwaethil prüfte, war dafür immerhin amüsant. Sie erkundigte sich lediglich, wo die dreckigen Gläser hin sollten. Aber sie hat gerade wohl auch selbst genug zu tun. Immerhin hat sie eine Aufgabe. Drei positive Eigenschaften des 1. Fürsten. Drei negative. Und Gründe, warum man wegen und trotz beider für dieses Haus stehen möchte. Ich bin gespannt, was sie zurückbringt.
Dass Fianah das Angebot annahm war gut. Sehr gut sogar. Denn sie war einer der Hauptgründe, warum ich die Möglichkeit bot. Und das schien sie sehr wohl erkannt zu haben. Dabei fragte sie lediglich nach meinem Lieblingsessen. Ich glaube, Sveawyns Gesellschaft tut ihr gut. Und vielleicht hat sie auch inzwischen etwas ihren Frieden geschlossen mit der Situation. In jedem Fall habe ich das Gefühl, dass es ihr besser geht. Vielleicht fühlt sie sich in meiner Gegenwart auch nicht mehr ganz so unwohl. Ich wünsche es ihr. Hoffe es für sie. Es war ein guter Schritt – wie auch schwer für sie, immerhin wiegt ihr Bauch wohl langsam einiges mehr als noch damals, als ich sie kennenlernte.
Auch interessant war die Frage der Magd… Was mein größter Wunsch wäre. Und damit bin ich wieder bei den Schatten, den Fußstapfen, den Seiten in einem Buch, losgelöst von den Namen und Titeln meiner Vorväter. Aber wir können alle nicht ändern wer wir sind und woher wir kommen. Das würde ich auch gar nicht wollen. Und die Magd selbst? Fleißig, bisher. Ich musste ihr das Arbeitsende praktisch befehlen, obwohl ich sie den ganzen Tag im Haus hörte. Wehe, sie hat heute morgen nicht lange geschlafen!
Zuletzt sind da noch andere, kleinere Freuden. Meine Frau, die endlich wieder mit mir in das Haupthaus gehen kann, mir beim arbeiten zuhören, zusehen – oder was auch immer sie dann tut. Ihre Anwesenheit im Amtszimmer mag mir inzwischen fast ungewohnt erscheinen. Ich ertappe mich oft dabei, wie mein Blick zu ihr wandert. Wie ich zu oft lächle, egal ob dritte anwesend sind oder nicht. Manchmal lächelt sie zurück. Am schönsten ist es aber, wenn sie das nicht tut, wenn sie es schlicht nicht bemerkt, dass ich sie ansehe. Sie erinnert mich dann daran, wie sie manchmal dasitzt und neben den Wiegen der Kinder stickt oder auch dort ein Buch liest. Der Friede und die Ruhe die sie dann ausstrahlt… Beides kennt keine Grenzen, keinen Vergleich. Es erinnert mich auch daran, wie sie einst vor mir lag wie unsere Kinder jetzt vor ihr. Wie unmöglich die ganze Situation doch schien. Dann wünsche ich mich zurück in diese Zeit, damals. Als ich so wenig verstand und so viel dafür verachtete. Zurück. Um ändern zu können, wie viel Hass ich damals für die Welt empfand. Und nicht zuletzt für diese Frau, die in ihrer Gewogenheit und Liebe durch nichts zu erschüttern ist, auch nicht durch ihren Mann selbst.
Ihr Mann – dem sie sogar vergeben kann nicht zu wissen, welchen Platz er in der Geschichte seines Hauses hat. Welchen in der Geschichte seines Landes. Oder seiner eigenen. In den seltenen Momenten, in denen es so ist. Wer also ist er, dieser Cinlir Winthallan? Manches mal zu weit in den Schatten der Vorgänger und Vorväter. Manches mal zu grell um ertragen zu werden. Löwe unter so verschiedenem Getier in dem Versuch alle davon abzuhalten einander zu beißen. Dabei selbst beißend, rücksichtslos und mahnend. Irgendwann werde ich dieses Bild weiter denken und für jeden seinen Pelz finden.
Die Frage der Elbin find ich gut *grins*
Aber allgemein wieder seeehr schön.
Puh. Ein riesen Blog und sehr aufwühlend aber richtig richtig gut! 🙂
Ich kann mir dem Gollchen nur anschließen. *g* Liest sich super! *Cinlir mal drück*
Ja konnte man sehr gut in einem Ruck durchlesen 🙂 Ich mag ja besonders die letzten beiden Absätze 😀
Da hat sich jemand ziemlich viele Gedanken gemacht, finde ich immer spannend, wenn Charaktere aus so gänzlich anderer Sicht erschlossen werden.
Hat so lange wie befohlen geschlafen, auch wenn sie sich nun Angst hat das Sir Giselher Aldorn für den fehlenden Tee in Grund und Boden stampft!
Tja, das hat dann hoffentlich beide Seiten wieder ein Stück weiter und gleichzeitig näher zueinander gebracht.