Zweierlei Briefe

Drakon Meroun
31. Januar 2016 • Kommentare: 2

Im Laufe der Zeit erreichen Bryanne und Giselher jeweils ein Brief, der in dem typischen Schriftbild Drakons verfasst ist. Der Bote, der es bringt trägt das Wappen von Linhir/Elteror

Schwester,

lange ist es her, dass wir schriftlich Kontakt hatten. Ich gebe zu, dass mir deine Anwesenheit hier sehr fehlt und ich mir nichts mehr wünschen würde, bei dir und den unsrigen zu sein. Doch es ist momentan nicht möglich. Aber auch dieses werden wir überstehen.

Gyroir ist nicht mehr an meiner Seite. Er reiste weiter an der Seite der Winthallan Familie um diese laut seines Eides weiterhin zu schützen. Wie du uns kennst haben wir uns verabschiedet und seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört. Ich bin guter Dinge, das er sich wohl befindet, ist er doch ebenso Klinge wie wir. Und auch, wenn dein Mann einen Glückstreffer an ihm landen konnte, hat er seine Verteidigung seitdem perfektioniert. Im Kampf gegen Wilde, Bilwisse oder Orks wird er weder wanken, noch vergehen. Er ist wer er immer war. Eine Klinge so bruchfest wie wenige.

Wie sagte dereinst Drakomir? „Wenn Gyroir der Arm der Klingen ist….“ …ja, das war und ist er in der Tat.

 

Ich freue mich sehr, dass mein Neffe sich in den verschiedenen Situationen ebenso versatil herausstellt wie dereinst seine Mutter (Ich schrieb versatil, liebstes Schwesterchen. Die Klinge fällt nicht weit aus der Scheide). Es wundert mich nicht, dass er Dinge, Wissen aufsaugt wie dereinst deine Muttermilch, denn diese Eigenschaft erbte er durch dich und deinen Mann. Ist es nicht ein Wunder zu sehen, wie die Kinder ihre Eltern schon zu solch hohen Ehren gereichen im jungen Alter? 

Ich genieße es förmlich mir vorzustellen, wie er die Menschen, unter anderem natürlich seinen väterlichen Großvater verjüngt durch seine Art, durch seinen Witz und durch seine gütigen Eigenschaften, die er durch dich und  durch Giselher gelernt und verinnerlicht hat. Er wird ein guter Junge, ein guter Mann, ein exzellenter Mensch werden. Viel mehr, als er nun schon ist.

 

Bree war und ist niemals mehr als eine verschlafene Wohnstatt derer, die die Umgebung ihre Heimat nennen. Durch den Krieg hier und die Raubzüge und Brandschatzungen von Räubern, Bilwissen und Orks in ganz Mittelerde war es nur eine Frage der Zeit bis Bree die Auswirkungen davon spüren musste. Und wenn wir der Ehrlichkeit genügen wollen dürfen wir nicht vergessen, dass wir neben der Stadtwache und den Wachen des Fürsten dafür gesorgt haben, dass die Straßen um das Breeland sicherer waren. Ohne uns, den Klingen, wären viele Wege gefährlicher und unpassierbarer gewesen als mit unserer Anwesenheit. Ich denke das mitunter hat zu unserem steigendem Ruf geführt in diesem Nest, den wir uns anders als in Gondor erst mühsam aufbauen mussten.

 

Ich derweil schreibe dir aus dem Hause der Gräfin…der Freifrau Elteror…aus Ellenas Haus. Wie ich damals dem Fürsten zu sagen pflegte habe ich meinen Eid nach dem Niedergang der Klingen Lady Ellena geleistet und habe auch darüber hinaus an diesem festgehalten. Jedoch auch mit diesem Wissen kann ich momentan weniger für sie tun als ich mich imstande sehen wollte. Freiherr Tharlegond Elteror liegt in Ketten im Kerker Linhirs, sieht sich der Anklage der Vergiftung des alten Grafen Linhirs, Ellenas Vater bezichtigt. Natürlich bestreitet er. Und ich sehe ihn nicht als Giftmörder, wie du dir denken kannst. Aber die Gräfin sind, noch mehr als mir, die Hände gebunden. Wir müssen abwarten.

 

Nun wisse jedoch, Schwesterchen, das ich mich so wohl befinde, wie ich mich befinden kann, ohne dich, ohne euch, ohne meine Familie um mich zu haben. Aber nimm diese meine Worte die ich schreiben möchte zu Herzen. Ich weiss, du wirst sie verstehen und wissen, das sie aus meinem tieften Herzen, aus der tiefempfundenen Liebe sprechen, die ich für dich empfinde.

 

Die Klingen als solche mag es nicht mehr geben. Der Verbund der Klingen, die sich unter dem Banner Merouns zusammengerottet haben und unglaubliche Taten vollbracht haben sind zersprengt und in alle Winde verteilt. Aber auch wenn dem so ist…unseren Geist, den Geist der Klingen, ich wiederhole, UNSEREN Geist vermag weder Tod noch Untätigkeit zu brechen. So sehr ich Merit liebe, sie hat indirekt den gleichen Weg gewählt wie meine Mutter, die sich das Leben genommen hat, als Faradur nicht zurückkehrte. Sie haben zuviel an den Namen, an die Führung gebunden und zu wenig an uns, zuwenig an das, was uns als Klingen und als Menschen ausgemacht hat: Unsere Loyalität, unsere Standhaftigkeit und unsere Liebe zueinander, die uns beflügelt hat auch im Antlitz des Todes Dinge zu vollbringen, die jeder andere als Wunder oder Unmöglichkeit abgetan hat. Und dieser Geist, diese Errungenschaften sind das, was wir bewahren müssen, liebste Schwester. 

Wir sind und waren nie die Schwachen und Bedürftigen, die Untrainierten und Nachgiebigen. Wir waren und wir sind Klingen. Wir sind als Klingen ausgebildet und gehören zu den Besten Kämpfern in ganz Mittelerde. Wo andere Menschen fallen, halten wir Stand. Wo andere in Furcht kauern, stehen wir und singen Preisungen an unsere Ahnen und an die Klingen selbst. Uns war uns IST der Zorn. Denn den Zorn müssen wir noch immer richten gegen diejenigen, die nach unserem Leben und dem Leben der unsrigen trachten. So lange wird auch mein Zorn schwelen und entfacht werden und mich zu dem Drakon Meroun machen, den du kennst.
Woher nehme ich die Kraft solcher Worte willst du dich vielleicht fragen, wenn die Klingen zersprengt sind und es keine Hoffnung mehr gibt auf den Wiederaufbau?

Drakomir  war ein weiser Mann für sein junges Alter, denn er sagte mir die folgenden Worte:

„Wenn Gyroir der Arm…und Damares der Kopf ist, dann bist du Drakon…das Klingenherz!“

Ohne Kopf kann man nicht Leben. Aber so lange das Herz schlägt, so lange ist auch Leben im Körper, leben in einem selbst. Und Schwester, du trugest für eine Zeit ZWEI Herzen in dir und siehe was geschehen! Er erfüllt nicht nur dich, sondern auch mich und alle um ihn herum mit Leben, mit Freude, mit Herz! 
So spät wie es mir auffällt ist es nicht der Kopf, der letzthin den Körper mit Leben erfüllt. Es ist das Herz. Und dieses Herz, das Klingenherz, das tragen wir, die wir soviel miteinander durchgemacht haben und soviel Leid und Freude erlebt haben, in uns. 

Letzten Endes, liebste Schwester, kämpften und kämpfen wir eigentlich für eine Sache, eine Sache, die wir vielleicht aus den Augen verloren haben, die sich aber, durch unsere leidvollen Erfahrungen und den großen Verlust, den wir immer wieder erlitten haben, sich wieder herauskristallisiert.

UNS ist der ZORN…aber wir kämpfen und bestehen, damit der ZORN irgendwann nicht mehr nötig ist.
Der ZORN richtet sich gegen die VERRÄTER. Doch was passiert, wenn es keine VERRÄTER mehr gibt?

Dann,liebste Schwester, haben wir gewonnen.
Und hier und jetzt, liebste Schwester, sind wir unter loyalen Verbündeten…unter Freunden…unter Familie. 

Wir sind zusammen. Und selbst wenn ich Morgen im Kampf falle oder wir alle durch das Alter sterben…

Uns war der Zorn…und jetzt ist uns die Ewigkeit.

Ich liebe dich mehr als du weisst, Schwesterchen.

Uns ist der Zorn.

Drakon.

—–

Sir,
Bruder,
Freund,

mit Sorge las ich deinen Brief, jedoch je weiter ich las, desto mehr wurde mir bewusst, was geschieht. Ich liebe meine Schwester sehr, ich habe viel Zeit mit ihr verbracht und habe deshalb eine weitgehende Einsicht in ihre Gefühls- und Gedankenwelt. 

Zuerst musst du verstehen, was Bryanne ist.

Sie ist eine Klinge.

Ja, nun ist sie Mutter und deine Frau und trägt den Namen Aldorn. Du wirst dich erinnern, dass ich dir einmal erzählt habe, dass das in sich schon eine Bruch der Traditionen war und ist. Normalerweise hättest du, mit der Heirat von Bryanne, unseren Namen annehmen müssen und unseren Eid schwören müssen. Und wärest du jemals in die Verlegenheit gekommen diesen Namen, diesen Eid zu verraten, wäre es niemand geringerer als Ich gewesen, der dich, bei allen Gefühlen meiner Schwester dir gegenüber gejagt und getötet hätte. Und glaube mir, meinen Schwertern hättest du trotz deinem Training, trotz deinen Waffenübungen mit den Merouns nicht viel…nein, NICHTS entgegen zu setzen gehabt.

Das  gesagt, muss auch hier Erwähnung finden, dass die Klingen als solches nicht mehr existieren. Und ja, dieser Umstand hat alle Klingen, die den Eid ernst genommen haben schwer getroffen. jahrelanges Training und, man will fast sagen „Indoktrination“ haben dazu geführt, das die Klingen, für sie wie für mich, alles ist. Lebensinhalt, Freude, Leid. 

Mit dem Wegfall dieses Einflusses kommt eine Leere, die man ausfüllen muss. Und hier kommen wir zu dem Problem. Man kann Bryanne die Klingen als Familie nicht ersetzen. Sie hat, in der Tat, ihre eigene Familie gegründet, aber die, die sie als Familie kannte, Brüder wie Schwester, sind fort, tot oder geflohen.

Mit dieser Einführung kommt es zum wichtigsten Punkt: Ihre Familie. 

Ihre Familie lebt. Die Loyalität und die Eide, die geleistet wurden, sind nicht nichtig. Sie sind da und haben Bestand. Durch wen? Durch die Klingen, die sie schon immer ihre Familie nannte und die noch immer um sie sind, wenn schon nicht körperlich, dann gedanklich. Gyroir, Dankmar, Britha, und meiner Selbst. Die Klingen an sich, als Idee, als das, was sie ausmacht können nicht vergehen, so lange wir nicht vergehen. Und sie werden nicht vergehen, so lange ihr Erbe in Ehren gehalten wird. 

Ihre Familie lebt. Gernot-Lucan gedeiht, dein Vater lebt und du lebst. Euer Band ist stärker als du glaubst, es ist auch stärker als die Leere, die von meiner Schwester Besitz ergreift. Eure Liebe und Erzeugnis eurer Liebe sind Beweis genug. Es muss ihr nur bewusst werden….oder bewusst gemacht werden. Jetzt, in dieser Zeit der Stille mehr denn je. 
DIR muss bewusst werden, dass du, mit uns, mit mir  zusammen, ihre Familie darstellst. Du bist alles, was ihr geblieben ist. Der Name Meroun sthet für etwas, er steht für weit mehr, als alles andere…aber genau soviel Wert ist dein eigener Name, deine eigenen Verbindung zu ihr. Wenn du in diesem Gedanken schwankst, wenn du sagst, „deine“ Familie wird niemals das gleiche für sie sein wie unsere Familie für sie…musst du dir bewusst machen, dass ihr etwas geschaffen habt, an dem du keine Sekunde, keine Minute, keinen Augenblick zweifeln darfst, egal wie viel Schmerz du glaubst in ihren Augen zu sehen: Ihr VEREINT die Familien. ihr SEID die Familie. Dabei hast du kein Recht und keine Obligation gegenüber dem Namen Meroun..aber letztlich bist du Bryanne näher als jemals ein Bruder ihr sein konnte. Vergiss das und du vergisst deine Frau. Vergiss das und du vergisst die Klingen. Vergiss dies und wir werden in den Schatten gehen, in das ewige Vergessen.

Du kannst die Klingen nicht neu gründen, Bruder. Du kannst es nicht. Du weisst nicht, wie wir sind, außer das, was wir dir gezeigt haben. Und wie ich meine Schwester kenne, wird sie dir niemals die ganze Geschichte erzählt haben, auch nicht als ihr Mann.
Aber wenn sie es nicht getan hat, werde ich hier damit beginnen. Das Leben einer Klinge ist bestimmt durch Indoktrinatio, Training, Entbehrungen. Mein eigenes Leben war durchzogen von den härtesten Prinzipien und den schlimmsten Opfern. Ich gehörte zu denjenigen, die einer Klinge, wenn sie die anderen verriet einen Bluttag bereitete. Das Bruder, bedeutet, dass ich sie gejagt und getötet habe. Egal wie nah mir diese Brüder und Schwestern einmal standen. Und auch, wenn Bryannne niemals diese Art von Training erhalten hat, wusste und weiss sie, was meine Aufgabe bedeutete. Um das zu verdeutlichen, frage sie! Früher nannte man mich den „Klingenschlächter“. Frage sie nach dem „Klingenschlächter“ und sei verwundert (und vorsichtig) über ihre Reaktion. 

Verstehe, dass dies zu einem festen Geist, einer Loyalität zur Sache und dem Gedanken, eine Klinge zu sein, die über die Furcht des Todes, über die Furcht vor Folter und Schmerz hinausgeht. Wir haben unseren Ruf nicht, weil wir schwache, einfache Söldner waren. Wir haben diesen Ruf, weil wir loyal, unbändig und absolut zielgerichtet agiert haben, bis in den Tod. Und die, die das Unternehmen verrieten, fanden den Tod. Und das war unsere Prämisse.

Nach all den Jahren, in denen ich die Statuten der Klingen gelebt und hochgehalten habe, bin ich was ich bin, und Bryanne ebenso. Wir sind, vor allem anderen, Klingen. 

Jetzt jedoch bist du da, ist Gernot-Lucan da und ihr selbst habt jetzt eine Aufgabe, die größeres abverlangt als alles, was eine Klinge jemals erdulden musste.

Ihr müsst Bryanne klar machen, dass sie eine Klinge ist, aber das ihr nicht mehr nur der Zorn ist, sondern ein Gefühl, das viel Stärker ist, als der Zorn.

Die Liebe.

Ich werde dir, zu diesem Zwecke, nun etwas anvertrauen. Du wirst der Letzte sein, dem ich diese Worte vermachen werde. Nutze sie Weise, nutze sie für meine Schwester.
Es sind die Worte unseres Eides, die Worte, die den Bluteid auslösen, der einen Menschen ganz und gar an die Klingen band. Du weisst, was du mit Ihnen zu tun hast:

„Meine Klinge ist mein Weib. Ich zeuge nur Sieg oder Tod.
Meine Loyalität gilt meinen Brüdern und Schwestern, mein Vertrauen und mein Blick nur dem Kreis der Familie.
Mein Respekt liegt bei meinem Auftraggeber. Meine Gedanken und Intentionen liegen unter dem Schild meines Dienstes.
Mein Preis ist nicht genannt, meine Prinzipien nicht käuflich“

Ich hoffe, du verstehst.
Ein letztes will ich dir…und nur dir mit auf den Weg geben. Du wirst es NIEMALS preisgeben, soviel verlange ich von dir:

Die Klingen werden mit mir sterben. Das was ich gelernt habe, was mir es möglich gemacht hat, mir liebste Menschen ohne zu Hinterfragen zu töten, das, was mir soviel Qualen gebracht hat über die vielen Jahre wird mit mir vergehen. Ich werde weder zulassen, das Bryanne diese Techniken, dieses Sein erlernt, noch werde ich zulassen, dass sie es eurem Sohn weitergibt. Ich werde deinen Sohn lehren was es heißt zu kämpfen, auf das er niemals einem oder mehreren Gegnern im Kampfe zum Opfer fällt und das er dereinst einer der mächtigsten Kämpfer werden kann, die Mittelerde jemals zu sehen bekommt.
Aber all das Negative, das die Klingen ausgemacht hat. All das Leid, all jenes, das sich mit den Klingen, die du kennst nicht vereinbaren lässt: All das wird mit mir vergehen.
Schwöre, das du diese Worte verstanden hast und mir dir möglich helfen wirst, diese Worte wahr werden zu lassen.

Denn ich werde der letzte sein, mit mir geht alles. 

Denn mir ist der ZORN.

UNS ist der ZORN.

Geschärfte Klingen, Sir.

Drakon Meroun

  1. Sybell sagt:

    Mein liebstes Brüderlein <3

  2. Giselher sagt:

    Bis einer weint! Drakon wie er leibt und lebt <3

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